Wohnraum

Beleuchtung von Privathäusern

Beleuchtung von Privathäusern: warmes Wohnlicht, sichere Wege, wenig Licht in den Nachthimmel. Steiermark und Österreich.

Was ein Haus vom Licht verlangt

Ein privates Haus ist Küche, Arbeitsecke, Stiege und Garten in einem. Die Bewohnerin will abends zur Ruhe kommen. Das Kind soll die Hausübung lesen, ohne dass das Wohnzimmer zur Kanzlei wird. Wer putzt, will die Krümel an der Sockelleiste sehen. Wer das Haus führt, will nicht, dass die Einfahrt die ganze Nacht den Ort ausleuchtet.

Beleuchtung von Privathäusern in Österreich gelingt, wenn diese Momente eigene Szenen haben. Wir planen sie so, dass das Haus abends ein Zuhause bleibt.

Wohnen, kochen, arbeiten

Im Wohnraum ist weniger oft mehr. Ein indirekter Anteil an Decke oder Wand macht Gesichter weich. Eine Leselampe neben dem Sessel ist ehrlicher als eine grelle Mitte. In der Küche liegt die Arbeit auf der Fläche, nicht in der Raummitte. Licht unter den Oberschränken nimmt den Schatten vom eigenen Körper. Die Farbe soll Lebensmittel und Holz nicht krank aussehen lassen. Ra 90 an der Arbeitsfläche ist dafür ein guter Anspruch, auch wenn die Wohnraumbeleuchtung selbst nicht unter die Arbeitsstättennorm fällt.

Die Arbeitsecke im Haus ist die Ausnahme. Wer dort stundenlang am Schirm sitzt, braucht denselben Respekt vor Blendung wie im Büro. Die ÖNORM EN 12464-1 ist der Maßstab für diese Sehaufgabe, nicht für das Sofa.1

Stiege, Keller, Nacht

Die Stiege ist der häufigste Unfallort im Haus. Licht muss die Trittkante zeigen, nicht die Augen blenden. Ein Melder unten und oben, Nachlauf lang genug für einen langsamen Gang. Im Keller und in der Technik will man auf Abruf helles, sachliches Licht und danach Dunkelheit. Bleibt es an, weil der Schalter hinter der Tür liegt, zahlt man das ganze Jahr.

Nachts der Weg vom Schlafzimmer ins Bad: ein schwaches, warmes Licht auf Bodenhöhe. Nicht die Küchenzeile mit 4.000 Kelvin. So bleibt der Schlaf ein Schlaf.

Garten und Nachbarschaft

Außen ist das Haus Gastgeber und Nachbar. Wege, Stufen, die Haustür: ja. Die Fassade als Bühne bis zum Morgen: nein. Die ÖNORM O 1052 bewertet Lichtimmissionen nach Stärke und Dauer und fordert im Außenraum zurückhaltende Lichtfarbe, orientiert an warmweiß bis etwa 3.000 Kelvin, sowie Licht von oben nach unten.2 In der Steiermark, nahe an dunklen Hängen und Ortskernen, merkt man kaltes Flutlicht sofort.

Ort Gefühl Technik
Wohnen Abend, weich indirekt, dimmbar, warm
Küche sicher arbeiten Licht auf die Fläche, gute Farbe
Stiege ohne Zögern Melder beidseitig, Kante sichtbar
Garten einladen, dann Ruhe Wege ja, Himmel und Fenster nein

Schalten, ohne eine Wand aus Tastern

Drei Szenen tragen ein Haus: Tag, Abend, Alles aus. Dazu Melder nur dort, wo niemand den Schalter sucht: Gang, Abstellraum, außen. Smart Lighting und DALI sind hilfreich, wenn sie die Szenen verlässlich speichern. Sie sind lästig, wenn das Licht eine App braucht, sobald das Netz zickt. Wir lassen immer einen einfachen Weg, das Haus dunkel zu machen.

Im Jänner, wenn es in Österreich um 16 Uhr dunkel ist, zeigt sich, ob das Haus nur „mehr Watt“ hat oder ob es mit dem Tageslicht mitgeht.

Strom und Förderung

Im Einfamilienhaus ist die Ersparnis kleiner als in einer Halle, aber die Stunden sind ehrlich. Alte Halogen-Spots und eine Einfahrt auf Dauerbetrieb sind die üblichen Posten. Eine LED-Sanierung mit Szenen senkt diesen Restverbrauch deutlich. Von „bis 70 Prozent“ sprechen wir nur, wo vorher wirklich dauerhaft und ineffizient geleuchtet wurde. Die Amortisation ist dann eine Haushaltsrechnung, kein Industrievertrag.

Energieeffizienz und weniger CO2 zählen trotzdem. Für Private ist die Förderung je nach Land und Jahr anders geschnitten als für Betriebe. Wir sagen, was gerade trägt, und rechnen Energiespar-Contracting nicht in ein Einfamilienhaus hinein, wenn es dort nicht passt. Die Lichtplanung bleibt dieselbe Sorgfalt: Leuchte, Blendung, Nacht.

Notlicht im klassischen Sinn der ÖNORM EN 1838 ist im Privathaus selten Pflicht. Ein verlässliches Licht an der Stiege bei Stromausfall ist trotzdem die Frage, die Familien stellen.3 Wir beantworten sie ohne Sirenenstimmung.

Ablauf

Wir gehen durch Küche, Stiege, Schlafzimmer und einmal ums Haus, am besten in der Dämmerung. Wir fragen, wo jemand tastet und wo der Nachbar schon geklopft hat. Dann wird das Licht leiser an den richtigen Stellen und klar dort, wo Hände arbeiten.


  1. ÖNORM EN 12464-1, nur als Maßstab für echte Arbeitsplätze im Haus. ↩

  2. ÖNORM O 1052:2022, Lichtimmissionen. ↩

  3. ÖNORM EN 1838, Notbeleuchtung, im Wohnbau meist nicht der Maßstab, aber der Gedanke der Orientierung bei Netzausfall. ↩