Was Hotelbeleuchtung dem Gast schuldet
Der Gast entscheidet in den ersten Minuten, ob das Haus stimmt. Die Einfahrt, die Rezeption, der Gang, dann das Zimmer. Zu grelles Licht an der Tür fühlt sich nach Bahnhof an. Zu wenig Licht am Waschtisch macht das Schminken zur Raterei. Nachts soll der Gang einen finden, ohne die Nachbarzimmer zu wecken.
Hotelbeleuchtung in Österreich ist deshalb eine Abfolge von Stimmungen, nicht eine Leuchte für alles. Wir planen sie für Menschen, die ankommen, schlafen, frühstücken und für das Team, das dazwischen die Zimmer herrichtet.
Ankommen und schlafen
Am Eingang darf das Licht einladen, ohne den Nachthimmel zu fluten. Warmweiß, nach unten gerichtet, mit einer Zeit, zu der die Fassade leiser wird. Das entspricht dem Gedanken der ÖNORM O 1052: Intensität und Dauer begrenzen, Licht nicht in den Himmel schicken.1
Im Zimmer trennen wir drei Aufgaben. Ein ruhiges Allgemeinlicht fürs Auspacken. Ein ehrliches Licht am Spiegel, von der Seite, nicht als harter Spot von oben, der Augenringe erfindet. Eine Leselampe, die den Partner nicht blendet. Die Nacht soll dunkel sein. Ein schwaches Orientierungslicht zum Bad reicht. Wer um 2 Uhr das volle Deckenlicht braucht, um eine Steckdose zu finden, schläft schlechter. Das merkt die Rezeption an den Bewertungen, nicht am Zähler.
Housekeeping und Empfang
Das Housekeeping sieht das Zimmer anders als der Gast. Beim Bettenmachen und im Bad muss Schmutz erkennbar sein. Dafür gibt es eine helle Szene, die nur während der Arbeit an ist. Bleibt sie an, weil der Schalter hinten an der Tür klemmt, zahlt das Haus die Stunde und der nächste Gast findet einen grellen Raum.
An der Rezeption muss man Pässe lesen und Gesichter freundlich sehen. Die ÖNORM EN 12464-1 behandelt solche Arbeitsplätze mit einem Wartungswert, einer Blendgrenze und einer brauchbaren Farbwiedergabe.2 Ein dekorativer Kronleuchter ersetzt das nicht. Im Frühstücksraum wollen Menschen wach werden, ohne geblendet zu werden. Warmes Licht am Morgen, etwas klarer zur Jause, gedimmt, wenn der Raum leer ist.
Schalten ohne Suchen
Gäste bedienen ungern eine Leiste aus acht Schaltern. Drei verständliche Szenen genügen: Kommen, Lesen, Aus. Das Bad über Bewegung, mit genug Nachlauf fürs Händewaschen. Gänge über Anwesenheit, nach Mitternacht dunkler, nie stockfinster, damit niemand stolpert.
DALI oder eine andere Smart-Lighting-Lösung speichert diese Szenen für das Personal. Der Gast sieht nur die Taste. In der Hauptsaison, etwa ab dem Jänner in den Winterorten der Steiermark, läuft das Haus lang. Gerade dann lohnt sich, dass leere Etagen nicht im Volllicht stehen.
Licht, Normen, Nachbarn
| Zone | Mensch | Licht |
|---|---|---|
| Einfahrt / Fassade | Gast, Nachbarschaft | warm, nach unten, zeitlich begrenzt |
| Zimmer | Gast | Szenen, nachts dunkel, Spiegel von der Seite |
| Reinigung | Housekeeping | kurz hell, danach zurück |
| Rezeption | Team | lesbar, wenig Blendung, gute Farbe |
Fluchtwege bleiben ein eigenes Thema der ÖNORM EN 1838.3 Ein volles Haus bei Stromausfall braucht lesbare Stiegen, nicht nur ein Logo über der Bar. Außenlicht, das in Schlafzimmer gegenüber scheint, wird zur Beschwerde. O 1052 gibt dafür den Maßstab: Dosis aus Stärke und Dauer.1
Strom, CO2, Förderung
Hotellerie brennt viele Stunden. Eine LED-Sanierung von Zimmerleuchten, Gängen und Außenanlage senkt die Energieeffizienz-Lücke oft spürbar. Mit Steuerung liegt die Ersparnis häufig in der bekannten Spanne bis etwa 70 Prozent gegenüber alten Leuchtstoff- und Halogenanlagen. Das ist ein typischer Rahmen aus der Praxis, kein Versprechen für jedes Haus.
Die Amortisation wird kürzer, wenn Zimmerkarten oder Anwesenheit die Volllaststunden schneiden. Weniger Verbrauch heißt weniger CO2. Für gewerbliche Umbauten in Österreich kommt Förderung infrage, auch über Energiespar-Contracting. Wir legen die Rechnung auf Ihre letzte Stromabrechnung, nicht auf einen Mittelwert aus dem Netz.
Unser Ablauf
Wir gehen ein typisches Zimmer, den Gang, die Rezeption und die Einfahrt im echten Betrieb. Wir notieren, wo Gäste blinzeln, wo das Personal im Dunkeln putzt und wo die Fassade den Hof die ganze Nacht hält. Daraus wird die Lichtplanung, dann der Umbau in Etappen, damit nicht das ganze Haus gleichzeitig dunkel ist.