Wir beleuchten eine Schule so, dass ein Lehrer am Nachmittag noch jedes Gesicht sieht, die Direktion den Abend ohne schlechtes Gefühl öffnet, Eltern an der Tür ein gepflegtes Haus erkennen und die Reinigung nach dem Läuten nicht im Halbdunkel arbeitet. Das Licht dient dem Unterricht. Getragen wird es von den Erwachsenen, die den Tag darin verbringen.
Wie sich die Schule anfühlen soll
Eine Lehrperson steht den Vormittag zwischen Tafel und Klasse. Sie will die Tafel lesen, ohne sich wegzudrehen, und die Kinder sehen, auch wenn hinter ihnen ein helles Fenster liegt. Gesichter dürfen keine schwarzen Schemen gegen die Scheibe sein. Die Stimme soll nicht gegen einen harten, flackernden Raum ankämpfen. Am Ende der sechsten Stunde sollen die Augen noch mitmachen.
Die Direktion trägt die Verantwortung für den ganzen Tag: Unterricht, Nachmittagsbetreuung, Konferenz, Elternabend, Turnsaal am Abend. Das Haus soll sich verlässlich anfühlen, hell genug für die jeweilige Nutzung und still genug, wenn der Trubel vorbei ist. Wer Eltern durch die Gänge führt, will keinen dunklen Schlauch zwischen zwei grellen Klassen und keinen Saal, der wie eine leere Halle wirkt.
Eltern sehen die Schule in kurzen Momenten: am Morgen an der Tür, am Sprechtag, beim Fest. In diesen Minuten entscheidet sich, ob das Haus wach und sorgfältig wirkt. Ein gleichmäßiges, ruhiges Licht sagt mehr als ein Prospekt.
Wer nach dem Unterricht putzt, braucht dieselben Gänge, Klassen und Sanitärräume, nur ohne Betrieb. Der Boden, die Ecken, eine nasse Stelle, eine vergessene Tasche müssen lesbar sein. Die Person soll sich im Gebäude sicher bewegen und nicht das Gefühl haben, das Licht sei nur für den Unterricht gedacht gewesen.
Welches Licht dahin gehört
Für die Arbeitsplätze der Beschäftigten gilt in Österreich die Arbeitsstättenverordnung. § 29 verlangt eine möglichst gleichmäßige, möglichst farbneutrale Beleuchtung, im Raum mindestens 100 Lux auf 0,85 m über dem Boden, und zusätzlich Licht dort, wo die Sehaufgabe es braucht. Flimmern, große Helligkeitsunterschiede und Blendung sind zu vermeiden. Das ist die Untergrenze für den Arbeitsraum, nicht das Ziel für eine Klasse.
Die Planung folgt der ÖNORM EN 12464-1:2021. Sie unterscheidet die Orte:
- Klassenzimmer und Unterrichtsräume: in der Regel 500 Lux, gleichmäßig, mit begrenzter Blendung, Farbwiedergabe Ra mindestens 80
- Tafel und Whiteboard: dasselbe Niveau, senkrecht auf der Fläche, gleichmäßiger als die Tische, damit die Schrift nicht in einem Fleck versinkt und die Lehrperson nicht in einem Gegenlicht steht
- Lehrerzimmer: ruhiger, oft um 300 Lux, an Bildschirmen mit strenger Blendungsbegrenzung
- Direktion und Verwaltung: wie ein Bildschirmarbeitsplatz, oft 500 Lux, Blendung eng begrenzt
- Gänge: deutlich niedriger, oft 100 Lux, Stiegen oft 150 Lux, damit das Auge beim Wechsel aus der Klasse nicht abstürzt
- Bibliothek und Lesen: wieder höher, Regale brauchen Licht auf der senkrechten Fläche
- Speisesaal: milder als die Klasse, die Küche dahinter heller und sachlicher
- Turnsaal: nach ÖNORM EN 12193 für den tatsächlichen Sport, ohne Blendung in Augenhöhe, wenn ein Ball kommt
Wände und Decke bekommen eigenes Licht. Eine helle Insel aus Pulten in einem dunklen Raum ermüdet, auch wenn die Zahl auf dem Tisch stimmt. Tageslicht aus den Fenstern bleibt das erste Licht. Die ÖNORM EN 17037 beschreibt, was gutes Tageslicht im Gebäude leistet. Das elektrische Licht füllt den bedeckten Himmel, die tiefe Klasse und die Stunden am Nachmittag. Es kämpft nicht gegen das Fenster.
Die Lichtfarbe bleibt neutral. Am Vormittag darf sie klar sein, am späteren Nachmittag und am Elternabend wärmer und leiser. Das ist eine Steuerung für den Tageslauf, keine Spielerei.
Ein, aus, und nur so viel wie der Tag braucht
Jede Klasse, jeder Gang, der Turnsaal und die Verwaltung sind eigene Zonen. In der Unterrichtszeit hält das Licht das Niveau der Sehaufgabe. Neben dem Fenster regelt es mit dem Tageslicht mit, in der Tiefe des Raums bleibt es stehen. Eine stille Lesephase ist kein leerer Raum: das Licht darf nicht abschalten, nur weil sich wenig bewegt.
Nach dem Läuten sinkt die Klasse auf ein Niveau für Reinigung und Kontrolle. Hell genug für den Boden und die Ecken, ruhig genug, dass nicht bis zum Abend die volle Unterrichtsbeleuchtung läuft. Gänge bleiben lesbar, solange noch jemand im Haus ist, und gehen mit, wenn die Reinigung weiterzieht. Elternabend, Konferenz und Fest haben eine eigene, gleichmäßige Szene, ohne dass dafür die ganze Schule auf Produktionsniveau steht.
Die Sicherheitsbeleuchtung ist davon getrennt. Fällt das Netz aus, finden Menschen den Weg ins Freie. Dafür gelten die Arbeitsstättenverordnung und die ÖNORM EN 1838.
Sparen entsteht daraus, dass volle Helligkeit nur dort und dann da ist, wo unterrichtet, verwaltet oder gekocht wird, und dass das Tageslicht einen Teil des Vormittags übernimmt. Die Direktion sieht das am Verbrauch. Die Lehrperson merkt es daran, dass das Licht nicht den ganzen Tag auf derselben harten Stufe steht.
Wenn das Haus den Unterricht abgibt
Am Ende gehen wir die Wege der Erwachsenen: vom Lehrerpult zur letzten Bank vor dem Fenster, den Gang entlang, die Stiege hinunter, ins Lehrerzimmer, in den Saal für den Elternabend und noch einmal durch dieselben Räume, wenn die Kinder weg sind. Wenn die Lehrperson die Gesichter sieht, die Direktion das Haus ohne Flecken aus Licht und Dunkel führen kann, Eltern an der Tür nichts Hartes bemerken und die Reinigung den Boden liest, ohne sich allein zu fühlen, ist das Licht richtig.