Was Wohnungsbeleuchtung in vier Räumen können muss
Eine Wohnung hat keinen Hof und oft keinen zweiten Weg. Wohnen, kochen und schlafen liegen übereinander. Das Licht der Küche steht im Augenwinkel des Sofas. Der Gang ist kurz, aber dunkel, weil die Decke niedrig ist. Die Reinigung ist man selbst, am Samstag, und man sieht den Staub nur, wenn das Licht streift.
Wohnungsbeleuchtung in Österreich muss auf wenig Quadratmetern mehrere Tageszeiten können. Wir planen sie für Menschen, die am selben Ort wohnen und arbeiten.
Ein Raum, drei Aufgaben
Der Fehler ist eine einzige mittige Leuchte. Sie macht überall ein bisschen hell und nirgends gut. Besser: ein ruhiges Grundlicht, eine Arbeitsstelle, eine Lese- oder Esstelle. Das Grundlicht dimmt zum Abend. Die Küchenzeile bleibt ehrlich, mit Licht vor der Person, nicht hinter ihr. Am Esstisch dürfen Gesichter warm aussehen. Ra 90 ist dort sinnvoll, wo man Lebensmittel, Stoffe oder Hautfarben beurteilt. Im reinen Durchgang reicht weniger.
Wer im Wohnzimmer auch am Schirm arbeitet, braucht eine begrenzte Blendung. Die ÖNORM EN 12464-1 beschreibt diese Arbeitsaufgabe.1 Sie zwingt nicht, die ganze Wohnung auf Büroniveau zu heben. Das würde den Abend zerstören.
Schlaf, Bad, Gang
Im Schlafzimmer ist das Einschlafen die Hauptaufgabe. Leselicht eng am Buch, nicht an der Decke. Der Weg zum Bad ohne den großen Schalter. Im Bad zwei Wahrheiten: morgens genug Licht seitlich am Spiegel zum Sehen, abends deutlich weniger, damit man nicht wachgeputzt wird. Ein Melder im innenliegenden Bad ist richtig, wenn die Nachlaufzeit zum Duschen passt und nicht nach dreißig Sekunden abbricht.
Der Gang in der Altbauwohnung ist oft fensterlos. Ein niedriges, blendfreies Licht, an die Bewegung gekoppelt, nimmt die Enge. Es muss wieder ausgehen. In einem Mehrparteienhaus merkt die Nachbarin jede Leuchte, die durchs Oberlicht in den Innenhof strahlt. Auch kleine Außen- und Balkonleuchten fallen unter den Gedanken der ÖNORM O 1052: warm, nach unten, nicht die ganze Nacht.2
Putzen, lüften, Gäste
| Moment | Was Menschen stört | Was wir ändern |
|---|---|---|
| Abend auf dem Sofa | Küchenlicht im Augenwinkel | getrennt schalten, dimmen |
| Spiegel am Morgen | Schatten unter den Augen | Licht von der Seite |
| Fensterloser Gang | Tasten an der Wand | Melder, kurze Nachlaufzeit |
| Besuch | zu kalt, zu laut | warme Szene, eine Taste |
Beim Putzen will man Streiflicht, das Staub zeigt. Eine helle Szene für eine Stunde, dann zurück. Gäste sollen nicht ein System lernen. Eine Taste „Abend“ ist gastfreundlicher als vier Dimmer ohne Beschriftung.
Steuerung ohne Technikfrust
In der Mietwohnung muss sich das Licht auch dann bedienen lassen, wenn das WLAN liegt. Smart Lighting ist ein Zusatz für Szenen, kein Ersatz für den Schalter an der Tür. DALI lohnt in der Wohnung selten flächendeckend. Ein gutes Dimmen und zwei Kreise tun mehr.
Im Winter, ab dem frühen Dunkel im Jänner, zeigt sich, ob die Wohnung nur kaltweiß „wach“ ist. Warmweiß am Abend hilft dem eigenen Rhythmus mehr als ein zusätzliches Panel.
Energie auf kleinem Zähler
Die Strommenge einer Wohnung ist kleiner als die einer Halle. Trotzdem sind alte Halogen-Spots und ein Bad, das über den Melder stundenlang nachläuft, spürbar. Eine LED-Sanierung holt genau diesen Rest. Von großen Prozentversprechen bis 70 Prozent reden wir nur, wenn die alte Anlage wirklich dauerhaft brannte. Die Amortisation ist hier oft der Komfort, nicht ein Contracting-Vertrag.
Energieeffizienz und CO2 bleiben richtig, auch im kleinen Maßstab. Förderung für Private prüfen wir nüchtern. Die Lichtplanung misst die Arbeitsfläche in der Küche und die Blendung am Schirm, nicht die Mitte des leeren Raums.
Notbeleuchtung nach ÖNORM EN 1838 ist Sache des Hauses, nicht der einzelnen Wohnung.3 Wir sagen das klar, statt eine Piktogrammleuchte in den Vorraum zu verkaufen.
Ablauf
Wir stellen uns in die Küche, setzen uns aufs Sofa und gehen einmal ohne Licht zum Bad. Wo die Hand zögert, fehlt etwas. Wo das Auge kneift, ist zu viel. Danach hat die Wohnung weniger Leuchten mit mehr Sinn.